Die Weltjugend in Zahlen

Statistik über die Verteilung der Weltjugend
World Youth Report: Youth and Climate Change, Economic and Social
Affairs, United Nations, New York; Online: www.un.org/youth

Entwicklung | Nachgehakt
85 Prozent der insgesamt 1 Milliarden Jugendlichen leben in Entwicklungsländern - so die Twittermeldung des UNDP am 28. August. Diese Zahlen verdienen genauere Aufmerksamkeit. Zunächst einmal darf hinterfragt werden, mit welcher Absicht die Vereinten Nationen diese Zahlen so explizit darstellen. Soll diese Statistik schlicht informieren, gar schockieren, oder einfach nur zum Nachdenken anregen?
Ursprünglich stammt die Zahl aus einem Bericht der Vereinten Nationen zum Anlass des Weltjugendjahres (pdf), welcher wiederrum auf der neuen Auflage des World Youth Report basiert (pdf). Wie die obigen Tabellen, ein Ausschnitt des Berichtes, zeigen, beziehen sich die Zahlen auf Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren im Jahre 2010. Insgesamt zählten 1,2 Milliarden Personen zu dieser Kategorie. Gemäß den Angaben lebt nur ein verschwindend geringer Anteil dieser Jugendlichen, mit knapp 159 Millionen Menschen nur 13 Prozent, in entwickelten Ländern. Der Rest, so lautet die Aussage der VN, lebt in weniger oder gering entwickelten Ländern. Doch interpretieren kann man diese Aussage erst dann, wenn man die Definition der Entwicklungsstufen berücksichtigt.


Tatsächlich zählen zu den entwickelten Ländern lediglich Europa, Nordamerika, Australien, Neuseeland und Japan. Wieder einmal wird deutlich, dass eine Kategorisierung nach Entwicklungsstand überaus pauschalisierend ist und nur begrenzt zu aussagekräftigen Erkenntnissen führen kann. Denn einem Jugendlichen in Bukarest ist keineswegs ein höherer Lebensstandard garantiert als einem Gleichaltrigen in Neu Delhi. Zahllose weitere Beispiele dieser Art ließen sich anführen.

Doch vermutlich kann die Statistik als Weckruf an die Bevölkerung in der sogenannten entwickelten Welt, also vornehmlich dem Westen, verstanden werden: Die Jugend ist die Zukunft dieses Planeten, doch vergesst nicht, dass ihr nur einen geringen Anteil dieser Jugendlichen stellt. Die meisten Jugendlichen dieser Welt, so suggerieren es die Zahlen, leben in armen oder zumindest relativ gesehen ärmeren Verhältnissen. Das Umfeld unserer Jugend ist die Ausnahme und mit Sicht auf die Welt ein Privileg und kein selbstverständliches Recht.

Diese Aussage ist wichtig. Der uneingeschränkte Zugang zu Bildung, ein funktionierendes Gesundheitssystem und ein funktionierender Rechtsstaat in dem vor allem die Jüngeren geschützt werden, ist ein Privileg. Wir sind in diesem Umfeld aufgewachsen und kennen es nicht anders. Doch 85 Prozent aller Jugendlichen leben noch heute in Ländern, die diesen Standard unter Umständen nicht garantieren können.

Es lohnt sich also einmal die Perspektive auf die Weltbevölkerung zu lenken. Die Verhältnisse, in denen 85 Prozent aller Jugendlichen aufwachsen, mögen uns zwar heute noch kaum beeinflussen, sie werden es aber dann tun, wenn diese Jugendlichen in der Zukunft Führungsrollen übernehmen. Noch dringlicher wird diese Erkenntnis, führt man sich die prozentuale Veränderung der Gesamtzahl der Jugendlichen vor Augen. In den entwickelten Ländern hat diese in den letzten 20 Jahren um 13,2 Prozent abgenommen, unsere Bevölkerung altert. In den weniger entwickelten Ländern hingegen ist die Zahl der Jugendlichen um 18,2 Prozent gestiegen, in den am geringsten entwickelten Ländern beträgt der Zuwachs sogar 37,8 Prozent. Auf den Punkt gebracht heißt das: Unsere Bevölkerung schrumpft, während sich die der weniger entwickelten Länder rasant vergrößert.

Wir haben also zwei dringende Gründe uns darüber Gedanken zu machen, wie nicht nur unsere Jugend, sondern auch die in anderen Ländern aufwächst. Zum einen müssen wir uns deutlich machen, dass wir einen Luxus erleben und die Privilegien von denen unsere Jugend profitiert uns keineswegs auch auf lange Sicht garantiert sind. Zum anderen ist es Realität, dass wir heute sowie in Zukunft noch viel mehr ein globales Leben führen. Zwangsläufig werden die 85% der Jugendlichen, die heute in wenig entwickelten Ländern aufwachsen, Morgen unsere Arbeitskollegen, Freunde oder Nachbarn sein. Es lohnt sich also schon jetzt einmal den Versuch zu unternehmen auf Augenhöhe zu gehen und die Dynamik dieser Welt zu verstehen.