Studie: Bridging the Economic Divide in Urban Areas of Namibia - Townships within the Local Economic Development framework


An dieser Stelle möchte ich eine Studie vorstellen, die ich im Frühjahr 2011 nach viermonatiger Recherche in Namibia fertigstellte. Kernthema ist das wirtschaftliche Potential von Townships bzw. dort ansässigen Mikrounternehmen in Namibia. In Folge der Kolonialisierung durch Deutschland ab 1884, wurde die namibische Bevölkerung systematisch aus ihren Lebensräumen verdrängt. Auch als das mit Großbritannien alliierte Südafrika die Kolonie im Zuge des ersten Weltkrieges 1918 einnahm, verbesserte sich die Situation nicht. Vielmehr verfestigte die als Apartheid bekannte Politik Südafrikas die Trennung von schwarz und weiß systematisch. Die schwarze Bevölkerung wurde aus den Innenstädten verdrängt und per Gesetz von jeglicher wirtschaftlicher Tätigkeit abgehalten.

Erst über ein Jahruhundert nach der Besetzung des Landes, folgte die Unabhänigigkeit im Jahre 1990 jahrelangen Widerstandskämpfen und politischen Tauziehen. Seit nun über 20 Jahren setzt sich die erste unabhängige Regierung des Landes dafür ein, diese systematisch angelegten Unrechtmäßigkeiten rückgängig zu machen und Chancengleichheit für alle zu garantieren. Nach zwei Jahrzehnten lässt sich rein optisch kaum ein Fortschritt erkennen. Die Städte des 2 Millionen Einwohner starken Landes sind weiterhin klar in Stadtkerne und Townships unterteilt, nur in wenigen Stadtvierteln integriert sich die weiße Minderheit in die einheimische Gesellschaft.

Relikt der Apartheid: Trennung nach Hautfarben in Namibia

Durch die vorliegende Studie sollte bestimmt werden, ob diese anhaltende gesellschaftliche Trennung auch einen wirtschaftlichen Aspekt hat. Sind Unternehmer in den Townships generell benachteiligt gegenüber ihrer in der Stadt ansässigen Konkurrenz? Durch welche Faktoren wird die wirtschaftliche Teilung noch heute vorangetrieben? 

Die Ergebnisse sind so wenig überraschend wie beruhigend: Durch urbane Ökonomien in Namibia verläuft ein tiefer Graben. Auf der einen Seite stehen die etablierten weißen Unternehmen, die generell gut vernetzt sind und sich die Marktanteile fast ausschließlich untereinander aufteilen. Auf der anderen Seite finden sich unzählige Kleinstunternehmer und Händler in den Townships. In den meisten Fällen sind sie nicht produzierend tätig, sind isoliert und bedienen einen eng begrenzten Kundenkreis in geographischer Nähe. Weit verbreitet sind Autowäscher, Reifenreparateure, Schneider und Friseure.










Kooperationen zwischen etablierten Unternehmen und kleinen Dienstleistern oder Produzenten sind die absolute Ausnahme. Auch fehlt der Gesamtheit der Kleinstunternehmer eine Repräsentanz. Nach wie vor sind fast ausschließlich weiße Unternehmen in Handelskammern organisiert, während es nicht einmal zuverlässige Statistiken über die in Townships ansässigen Unternehmen gibt. Wie viele es sind und welchen Branchen sie zugeordnet werden können, weiß niemand.

Die im Rahmen der Recherchen erhobenen Daten zeigen, dass es Township-Entrepreneuren vor allem an drei Erfolgsfaktoren mangelt: Wirtschaftliche Kapazität, strategische Partnerschaften (z.B. organisierte supply chains) und Repräsentanz.  

Natürlich ist der Zeitfaktor nicht zu vernachlässigen. Noch vor 1990 war kein einziges Unternehmen im Land im Besitz der schwarzen Bevölkerung. Die Jugend des Landes wuchs bis weit nach 1990 folglich in Familien auf, in denen niemand einen weiterführenden akademischen Abschluss besaß oder wirtschaftlich erfolgreich gewesen war. Zwar sind eng geknüpfte soziale Netzwerke typisch für die namibische Bevölkerung, doch wirtschaftlich hat die Mehrheit keinen Anschluss. Es wird einige Generationen dauern, bis sich wirtschaftliche Netzwerke auch in der gesamten einheimischen Bevölkerung etablieren.

Doch Zeit alleine wird nicht reichen die wirtschaftlichen Folgen der Apartheid zu überwinden. Eine Kooperationsbereitschaft der etablierten Unternehmen muss der Politik entgegenkommen, während diese sich wesentlich effizienter organisieren und lokale Wirtschaftsentwicklung als Priorität erkennen muss.
Die Studie kann hier im pdf-Format heruntergeladen werden. Die Ergebnisse einer umfassenden Umfrage, die unter 128 Township-Unternehmern (in Windhoek, Gobabis, Lüderitz und Oshakati) durchgeführt wurde, sind am Ende des Dokuments tabellarisch aufgelistet.



Namibia
Untersuchte Städte in Namibia - Karte: stepmap.de
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